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Internationale Münchner Friedenskonferenz 2026

16. Feb 2026

Auch in diesem Jahr fand parallel zur Münchner Sicherheitskonferenz die jetzt 24. Internationale Münchner Friedenskonferenz statt.

"Gegen den Strom der Gewalt"

24. Internationale Münchner Friedenskonferenz

Zwei Abendveranstaltungen prägen die Friedenskonferenz als Gegenentwurf zur Sicherheitskonferenz

Auch in diesem Jahr standen zwei zentrale Abendveranstaltungen im Mittelpunkt der Friedenskonferenz, die sich bewusst als Alternative zur Münchner Sicherheitskonferenz positioniert. Den Auftakt bildete am Freitagabend, dem 13. Februar, die Veranstaltung I Refuse“ – ein Plädoyer für Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen Staat und Militär.

 

Kriegsdienstverweigerung: Ein politischer Akt mit wachsender Relevanz

In Zeiten neuer Wehrpflichtdebatten, umfassender Aufrüstung und militärischer Eskalationen in Europa gewinnt das Thema Kriegsdienstverweigerung erneut an politischer und gesellschaftlicher Brisanz. Am Umgang mit Kriegsdienst zeigt sich, ob eine Gesellschaft bereit ist, die Kriegspläne ihrer Regierungen und Militärs aktiv mitzutragen – oder ob sie diesen die Gefolgschaft verweigert. Kriegsdienstverweigerung ist daher weit mehr als eine individuelle Gewissensentscheidung: Sie ist ein grundsätzlicher politischer Akt, der staatliche Gewalt, Militarisierung und Kriegsvorbereitung infrage stellt.

 

Internationale Perspektiven und persönliche Erfahrungen

Der Abend beleuchtete die vielfältigen Motive, Bedeutungen und politischen Dimensionen der Kriegsdienstverweigerung – aus internationaler Sicht und anhand persönlicher Schicksale. Auf dem Podium kamen Kriegsdienstverweigerer:innen aus Israel, Russland und der Ukraine zu Wort, die ihre Erfahrungen und Standpunkte teilten.

 

Stimmen vom Podium

Die Israelin Sofia Orr (Mesarvot) schilderte ihren Weg: von der Erziehung im Elternhaus über die Schulzeit, ihre Entscheidung zur Verweigerung, die anschließende Inhaftierung bis hin zu ihrem heutigen Leben in Israel. Yan Kormilitsyn berichtete, wie viele seiner Kommiliton:innen die Ukraine verließen, nachdem das Einzugsalter für den Militärdienst gesenkt worden war.

Moderator Kerem Schamberger (medico) trug maßgeblich zum Gelingen der Diskussion bei, indem er Fragen präzisierte und wiederholte – besonders hilfreich, um sprachliche Hürden zu überwinden und den russischsprachigen Diskutant:innen eine klare Antwort zu ermöglichen. Franz Nadler (Connection e.V.) brachte die deutsche Position zur Haltung gegenüber ausländischen Kriegsdienstverweigerern ein, während Simon David Dressler die Situation der Kriegsdienstverweigerung in Deutschland analysierte.

Abgerundet wurde der Abend durch Katharina Rottmayr-Czerny, die mit dem Verein „Netzwerk Friedenssteuer“ eine Möglichkeit vorstellte, sich gegen die immensen Rüstungsausgaben zu positionieren.

 

Workshops mit starkem Zuspruch: Theater der Unterdrückten und Rüstungsexporte im Fokus 

Am Samstagmorgen boten zwei Workshops auf der Friedenskonferenz wertvolle Einblicke in kreative und interaktive Methoden der politischen Bildung – und stießen auf großes Interesse bei den Teilnehmenden.

Theater der Unterdrückten: Machtstrukturen körperlich erfahrbar machen 
Caren Niemann führte die Gruppe mit Methoden des Theaters der Unterdrückten durch eine intensive Auseinandersetzung mit Macht, Unterdrückung und Widerstand. Durch Bewegung, Improvisation und szenisches Spiel entstanden Ausdrucksformen, die nicht auf rationale Argumentation setzen, sondern auf erfahrungsbasiertes Lernen. 
Die Teilnehmenden erlebten, wie sich Machtverhältnisse im eigenen Alltag und in gesellschaftlichen Strukturen manifestieren. Die körperliche Erfahrung machte politische Zusammenhänge nicht nur verständlich, sondern auch emotional greifbar. Im anschließenden Gespräch wurden diese Eindrücke vertieft und neue Perspektiven auf Handlungsspielräume, Widerstand und solidarisches Miteinander eröffnet. 

Planspiel zu Rüstungsexporten: Rollen, Interessen und Entscheidungsprozesse 
Harald Hellstern von pax christi und der Rüstungsexportkampagne leitete ein interaktives Planspiel, das die komplexen Dynamiken von Rüstungsexporten erfahrbar machte. Die Teilnehmenden schlüpften in die Rollen verschiedener Akteur:innen – von der Friedensbewegung über Rüstungsproduzenten bis hin zur Regierung– und diskutierten die Positionen in einem fiktiven Entscheidungsprozess. 
Am Ende des Spiels sprachen sich alle Gruppen gegen den Rüstungsexport aus – ein Ergebnis, das angesichts des Rahmens einer Friedenskonferenz vielleicht wenig überraschend war, aber dennoch die Macht der Perspektivübernahme unterstrich. Das vollständige Planspielmaterial steht hier zum Download bereit.

 

Diskussionsabend im Salesianum: Sanktionen und Boykotte als politische Instrumente 

Am Samstagabend lud die Friedenskonferenz die Journalistin und Publizistin Kristin Helberg mit ihrem Format „Zeit zu Reden“ zu einer kritischen Auseinandersetzung ein. Im Mittelpunkt stand das Thema: „Sanktionen und Boykotte als Mittel von Politik und Zivilgesellschaft– Eine Reflexion über gewaltfreie Formen von Druck und Widerstand in Kriegszeiten.“ 

Fragen an Politik und Gesellschaft 
Wie können Regierungen und Zivilgesellschaften effektiv auf Unrecht, Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsbrüche reagieren? Wer auf militärische Gewalt verzichten will, setzt häufig auf Sanktionen und Boykotte, um Akteure – ob staatlich oder nicht-staatlich – unter Druck zu setzen und Verhaltensänderungen zu erzwingen. Doch wie wirksam und legitim sind diese Mittel? 

Kernpunkte der Diskussion 
Ein zentraler Aspekt der Debatte war die Abgrenzung zwischen Boykott und Sanktionen. Die Teilnehmenden hinterfragten, inwieweit Sanktionen völkerrechtlich gedeckt sind – und ob sie nicht oft unter anderen Bezeichnungen verhängt werden, um politische oder rechtliche Hürden zu umgehen. Die Diskussion war stark von der aktuellen Situation in Israel und Palästina geprägt. 

Konkrete Forderungen und Positionen 
Zum Abschluss forderte Kristin Helberg das Podium auf, praktische Handlungsvorschläge zu formulieren. Sie selbst warnte davor, dass Völkerrechtsverstöße zunehmend als legitim wahrgenommen würden, wenn keine konsequenten Sanktionen folgten. 

Impulse der Diskutant:innen ·         
  • Deborah Feldman rief zum Boykott von Spotify auf.·         
  • Dr. Shir Hever appellierte an die Anwesenden, sich in BDS-Aktionsgruppen zu engagieren.·         
  • Khaled El Mahmoud gab zu bedenken, dass Sanktionen, die auf die Etablierung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in anderen Staaten abzielen, völkerrechtswidrig seien·         
  • Prof. Dr. Isabel Feichtner plädierte für eine soziale Bewegung und öffentlichen Druck gegen Rüstungsexporte bei schweren Völkerrechtsverstößen.

 

Kritische Analyse der Militarisierung: Fabian Scheidlers neues Buch 

Am Sonntagmorgen, dem 15. Februar 2026, präsentierte der Publizist und Autor Fabian Scheidler sein aktuelles Werk „Friedenstüchtig. Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen“. Das Buch setzt sich fundiert mit der wachsenden Militarisierung von Politik und Gesellschaft auseinander und hinterfragt deren Mechanismen. 
Scheidler deckt auf, wie Feindbilder gezielt konstruiert werden und welche Rolle politische Akteure dabei spielen. Seine zentrale These: Militärische Logiken schaffen keine Sicherheit, sondern perpetuieren Gewaltspiralen. Statt eines permanenten Ausnahmezustands fordert er einen Paradigmenwechsel hin zu einer aktiven Friedenspolitik. 
Sein Gegenentwurf basiert auf drei Säulen: Kooperation statt Konfrontation, globale Gerechtigkeit als Grundlage für Stabilität und demokratische Kontrolle über sicherheitspolitische Entscheidungen. Damit liefert Scheidler nicht nur eine scharfe Analyse, sondern auch konkrete Ansätze für eine friedlichere Zukunft. 

Zum Schluss des Vortrages las er noch eine Passage aus seinem Buch:
Die Kunst des Friedens, Frieden auf der Erde und Frieden mit der Erde sind untrennbar. Eine neue Welle der Aufrüstung, wie auch immer sie gerechtfertigt wird, kann der Planet nicht verkraften. Der Frieden ist ein Handwerk, ja, mehr noch eine Kunst. Er wird wie jede echte Kunst nicht von denen gemacht, die sich damit zufrieden geben, Recht zu haben. Was nützt es auf einer verwüsteten Erde recht gehabt zu haben? Der Frieden setzt die Fähigkeit voraus, die Welt durch die Augen der anderen zu sehen, auch gerade durch die Augen derer, die wir gelernt haben, Gegner zu nennen oder Feind. Er beginnt damit die Geschichte des anderen zu hören, nicht die eigene zu erzählen. Er beginnt weder mit der Betrachtung des narzisstischen Selbstbildes noch des freien Bildes, sondern mit dem Austritt aus dem Kabinett der Bilder und mit dem Eintritt in eine Wirklichkeit unter der Sonne, in der wir erkennen, dass auch wir einen Schatten werfen. Wenn jemand dir ein Bild zeigt und sagt, dieser dort sei dein Feind, den du bekämpfen sollst, schaue dir zunächst genau an, wer zu dir spricht. Welche Geschichte hat dieser Mensch? Hat er in der Vergangenheit zum Frieden beigetragen? Warum will er dich in den Kampf hineinziehen? Wenn jemand dir sagt, es gilt für das Gute in den Krieg zu ziehen gegen das Böse, prüfe die Guten, studiere ihre Tat. Und dann schau dir das Bild des Feindes an. Frage dich, wer es gemacht hat und auf welche Weise. Versuche dir ein eigenes Bild zu machen. Höre die Geschichte derer, die deine Feinde sein sollen in ihren eigenen Worten. Studiere auch ihre Taten. Versuche sie zu verstehen, selbst wenn du sie nicht billigst und dann erst dann zieh deine Schlüsse.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier: https://fabian-scheidler.de/friedenstuechtig/

 

Ergänzende Angebote zur Friedenskonferenz 


Vielfältige Veranstaltungen neben der offiziellen Konferenz

Parallel zur Münchner Friedenskonferenz fand ein breites Spektrum an alternativen Veranstaltungen statt. Dazu gehörten eine Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz, ein ökumenisches Friedensgebet, eine Nachbereitungsveranstaltung mit Augenzeugenberichten sowie das abschließende interreligiöse Friedensgebet. 

Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz: Zwischen Engagement und Verschiebungen

Laut Polizeiangaben nahmen etwa 2.000 Menschen an der Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz teil – trotz zahlreicher Parallelveranstaltungen in München. Dazu zählten unter anderem eine Großkundgebung von 250.000 Iraner:innen auf der Theresienwiese, eine Prüfungsdemo, eine Ukraine-Demonstration sowie eine Friedensdemo von Corona-Gegner:innen.Kritisch wurde jedoch angemerkt, dass die traditionelle Friedensbewegung auf der Demonstration zunehmend in den Hintergrund rückt. Stattdessen prägten Gruppen von Exilant:innen, insbesondere Palästinenser:innen, Kurd:innen und Vertreter:innen aus Rojava, das Bild der Kundgebung. 

Eindrücke von der Sicherheitskonferenz: Beobachterinnen berichten

Für den Verein „Münchner Sicherheitskonferenz verändern“ teilten die beiden Beobachterinnen Inga Blum (IPPNW) und Natalia Jagolski (Universität Leiden) ihre Eindrücke der vergangenen Tage. Besonders prägnant war ihre Beobachtung zur Sicherheitslage in Europa: Während diese in anderen europäischen Ländern und weltweit weniger dramatisch eingeschätzt wird, herrscht in Deutschland eine auffallend pessimistische Wahrnehmung vor.Hier wird bereits ab 2029 eine akute Bedrohung durch Russland diskutiert – ein Szenario, das in allen gesellschaftlichen Bereichen vorbereitet wird. 

Interreligiöses Friedensgebet: Gemeinsame Hoffnung in unsicheren Zeiten

Den Abschluss des alternativen Programms bildete das Friedensgebet der Religionen unter dem Motto „Mitten im Krieg den Frieden vorbereiten“. Unter Beteiligung von Jüd:innen, Christ:innen, Muslim:innen und Bahá’í entstand ein ruhiger, nach innen gekehrter Moment der Verbundenheit und des gemeinsamen Gebets für den Frieden. 

Zukunft der Friedenskonferenz: Finanzielle Unterstützung entscheidend

Ob die Friedenskonferenz auch 2027 stattfinden wird, hängt maßgeblich von der Unterstützung durch Förder:innen ab. Auch in diesem Jahr gab es erneut Versuche, die Veranstaltung zu diskreditieren. Zwar konnte dank des Salesianums ein geeigneter Veranstaltungsort gefunden werden – ein herzlicher Dank gilt den Verantwortlichen vor Ort –, doch fehlt es weiterhin an institutioneller Unterstützung.Die Organisator:innen allein können die Konferenz nicht stemmen. Daher richtet sich ein dringender Appell an alle, die ein Fortbestehen der Friedenskonferenz ermöglichen möchten:Spenden Sie großzügig an das Helmut-Michael-Vogel-Bildungswerk e.V.:·         GLS-Bank, IBAN: DE37 4306 0967 8217 1208 00, Stichwort „Friedenskonferenz“·         Online-Spende: https://www.betterplace.org/de/projects/162042

 

Weitere Infos zur Friedenskonferenz unter: friendenskonferenz.info
Die einzelnen Veranstaltungen können nachgeschaut werden unter:

 

Dateien zum Download

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